Biodiversität – Die Grundlage allen Lebens

Gesunde Ökosysteme sind von entscheidender Bedeutung für sauberes Wasser, saubere Luft, fruchtbare Böden und bieten Schutz vor Überschwemmungen und Erosion. Sie erfüllen wichtige Funktionen und haben direkte und indirekte Folgen für unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden. Grundlage dafür bildet die Biodiversität, auch biologische Vielfalt genannt. Sie umfasst die Vielfalt der Arten, die genetische Vielfalt innerhalb der Arten und damit die Vielfalt der Ökosysteme.

Unser Ziel ist es mit Siemensstadt Square einen resilienten Stadtteil zu entwickeln. Für die Planung gilt es darum eine Vielzahl an Faktoren zu berücksichtigen. Zumal angesichts der sich verändernden Klimabedingungen auch die klimabedingten Stressfaktoren für die Natur in der Stadt zunehmen.

BeeOdiversity in Siemensstadt Square - Kollage mit Eindrücken von Bienen und Natur

Siemensstadt Square – Neue Lebensräume inmitten einer Millionenmetropole

Im Einklang mit unserem umfassenden Nachhaltigkeitskonzept wird Siemensstadt Square inmitten der Millionenmetropole Berlin Platz schaffen, aktiv neue Lebensräume gestalten, für Mensch und Natur.

  • Lageplan des zukünftigen Siemensstadt² Stadtquartiers
    Räume schaffen

    Um Biodiversität zu ermöglichen, benötigt man möglichst viele begrünte Freiflächen. Siemensstadt Square schafft diese bereits im Grundkonzept. Freiflächen können – koordiniert durch intelligente, digitale Leitsysteme – von den unterschiedlichen Nutzungsgruppen gleichzeitig genutzt werden. Die klassische Trennung in Fußweg, Radweg und Straße entfällt, sie werden überlagert. PKW werden weitestgehend aus dem Areal verbannt. Siemensstadt Square tickt im Rhythmus der Fußgänger und Radfahrer. Das schafft Freiraum und Ruhe.

  • Rendering des neuen Looks von Siemensstadt² mit grüner Natur zwischen moderner Architektur
    Stadtnatur zulassen

    Wasserundurchlässige Materialien werden vermieden. Miteinander vernetzt folgen die Grünflächen - wo möglich - einem naturnahen Abbild. Natur und Stadt dürfen zusammenwachsen und als vielfältige Stadtnatur erlebbar werden.

  • Biodiversität - Wiese mit Wildblumen
    Ökosysteme gestalten

    In diesem Kontext verstehen sich die Gebäude als Brücke zwischen Naturräumen. Mit begrünten Fassenden und Dächern entsteht neue Vegetation. Die Auswahl heimischer und anpassungsfähiger Pflanzen bietet vielfältige Lebensräume. Ein leistungsfähiges Ökosystem stiftet die neue Identität von Siemensstadt Square.

BeeOmonitoring – A Place to Bee

Bereits bei der Bestandsaufnahme der Artenvielfalt geht Siemensstadt Square einen innovativen und natürlichen Weg. Rund 80.000 Bienen summen über das Areal und sammeln Pollen und Nektar. Geringe Mengen des Pollens werden regelmäßig an das belgische Startup BeeOdiversity gesendet und mit einer umfangreichen Pflanzendatenbank verglichen. So werden die Bienen zu "natürlichen Drohnen" und Teil eines natürlichen Biodiversitäts-Monitorings von Siemensstadt Square.

In Siemensstadt Square soll BeeOmonitoring nach einer Pilotphase den gesamten Bauprozess begleiten und auch nach Fertigstellung fortgesetzt werden. Jährlich zwischen April und Oktober – der Flugzeit der Bienen – sollen Proben entnommen und auf Basis dieser Erkenntnisse die Biodiversität im Areal verbessert werden.

Beispielsweise können speziell am Standort vorkommende Arten gezielt gefördert, Überpopulation reguliert und gefährdete Arten geschützt werden. Schädliche Einflüsse werden rechtzeitig erkannt und können verhindert werden. So entsteht ein ausgeglichenes Ökosystem mit dem Ziel, sich zukünftig selbst zu regulieren.

Bienen in Siemensstadt Square - Herr Buschmann zeigt in voller Imkermontur den Inhalt des Pollenfilters

Die „Kärntnerbienen“ in Siemensstadt Square gelten als besonders friedlich sowie als gute Honiglieferanten. Ihre Bienenstöcke stehen auf dem Dach des Dynamowerks. Dort finden die Bienen die notwendige Ruhe, gleichzeitig deckt ihr Flugradius von hier aus das Siemensstadt Square Areal ab, denn sie schwärmen vorzugsweise gen Norden aus. Da sie nicht über Gewässer fliegen, bildet die „Faule Spree“ eine natürliche Grenze.

Bienen in Siemensstadt Square - Bienenstock mit Pollenfilter auf dem Dach des Schaltwerkhauses

Unterhalb der Bienenstöcke ist eine sogenannte Stockwaage installiert, die den Zustand der Bienen überwacht: Das Gewicht der Bienenstöcke zeigt – im Vergleich zu Ausgangs- und Referenzparametern und in Kombination mit der Brutraumtemperaturkontrolle – wie fleißig die Bienen sind. So können wir feststellen, ob es ihnen gut geht und eventuell gegensteuern, sofern das nicht der Fall ist.

Unsere Webapplikation zeigt die Daten in Echtzeit und ermöglicht so eine Auswertung



BeeOmonitoring wurde von dem belgischen Startup-Unternehmen BeeOdiversity entwickelt. Das Unternehmen verwendet eine innovative Methode, das DNA-Metabarcoding , um Pollen und Nektar zu analysieren. Eine Vorrichtung am Bienenstock streift in regelmäßigen Abständen Pollenproben ab, wenn die Bienen vom Sammeln zurückkehren (die Bienen werden dabei nicht verletzt).

Bienen in Siemensstadt Square - Ingo Buschmann zeigt einen vollen Pollenfilter aus seinem Bienenvolk

Das Genmaterial der in der Probe enthaltenen Pflanzen wertet BeeOdiversity automatisch aus und vergleicht es mit einer umfangreichen Datenbank europäischer und anderer Arten. Diese Analyse liefert in kurzer Zeit eine Vielzahl von Informationen über die Zusammensetzung der Arten. Erfahrene Biologen überprüfen die Ergebnisse und bereiten die Daten viermal im Jahr in einem digitalen Dashboard auf. So können wir die Pflanzenvielfalt in Siemensstadt und ihre Nahrungsqualität für die Bienen beurteilen. Zudem erkennen wir kurz-, mittel- und langfristige Veränderungen.

Pollenanalyse im Labor von BeeOdiversity

Die erste Auswertung aus dem Sommer 2021 zeigte eine sehr gute Pflanzenvielfalt in unserem Quartier. BeeOdiversity hat 58 verschiedene Pflanzenarten im Pollen der Bienen entdeckt. Verglichen mit allen urbanen Untersuchungsbereichen, die BeeOdiversity weltweit betreut, schneidet die Siemensstadt damit „sehr gut“ ab. Der Anteil an Wildpflanzen belief sich auf 74 Prozent. Auch damit liegt das Areal im guten Bereich, denn wilde und heimische Arten sind oft resilienter gegenüber Klimaveränderungen als Zierpflanzen und Exoten. Sie bieten der lokalen Fauna die beste Nahrung.

Evaluation
Technologie für mehr Artenvielfalt - 80.000 Helfer für die Biodiversität

Betreut werden die Bienen vom Hobbyimker Ingo Buschmann, der die Völker auch aufgezogen hat. Sie ergänzen die zehn Völker, die er bereits in seinem privaten Garten hält. Neben den durch die Bienen in Siemensstadt Square möglichen Biodiversitäts-Analysen freut er sich nun ganz besonders auf neue Erkenntnisse zur Bienenhaltung und das Wandern mit Bienen, das hier zum ersten Mal möglich sein wird.

Portrait Ingo Buschmann, Imker und Siemens Energy Mitarbeiter in Siemensstadt Square

Damit in Siemensstadt Square vielfältige Lebensräume für Tiere und Pflanzen entstehen, damit sich die Natur in genügend Freiräumen entfalten kann und so ein klimafreundliches und nachhaltiges Leben für Alle ermöglicht wird, bedarf es einer Vielzahl an Einzelmaßnahmen. In Siemensstadt Square werden sie unter anderem durch ein speziell erstelltes „Regelwerk Freiraum“ definiert. Denn grundsätzlich gilt: Je größer die Vielfalt, desto stabiler das System!

Hier eine Auswahl der Maßnahmen, die mit Fortschreiten des Projekts fortlaufend erweitert und verfeinert wird:

Flexibilität

Sämtliche Freiräume werden von Beginn an so geplant, dass mit dem Ziel größtmöglicher Flexibilität ein lebendiges Nebeneinander unterschiedlicher Nutzungen entsteht.

Grünflächenverbund

Vernetzte Freiräume stärken sich gegenseitig und kanalisieren Naturphänomene. Die Durchlässigkeit zu benachbarten Bereichen ermöglicht den Austausch von Pflanzen, Tieren und Menschen. So wird Siemensstadt Square integraler Bestandteil des Spandauer Naturhaushalts.

Weniger Flächenversiegelung

Versiegelte Flächen werden durch fugenlose oder wasserundurchlässige Materialien reduziert. Niederschläge können im Untergrund gespeichert und an die Natur zurückgegeben werden. Das Quartier atmet und das Regenwasser kommt Pflanzen zugute, verdunstet mit kühlendem Effekt für das Stadtklima, oder speist das Grundwasser nach.

Biotopflächenfaktor

Damit Städte lebenswert bleiben muss der Naturhaushalt funktionieren. Um einen Mindeststandard an „grünen Qualitäten“ sicherzustellen, wurde in Berlin der sogenannte Biotopflächenfaktor (BFF) entwickelt. Mit ihm kann definiert werden, welcher Anteil der Grundstücksfläche als Pflanzenstandort oder Versickerungsfläche dienen soll. Diese Fläche übernimmt dann wichtige Funktionen für den Naturhaushalt. Der BFF wird auch bei der Masterplanung für die Siemensstadt Square angewendet.

Fassaden & Dächer

Begrünte Fassaden und Dächer strahlen weniger Wärme ab, speichern Regenwasser und erhöhen die Qualität des Mikroklimas. Sie sind nunmehr ein Teil des Grünflächenverbundes, keine Barriere.

Materialien

Für den Bau von Gebäuden und Freiflächen werden bestmöglich ressourcenschonende und nachhaltige Materialien (wieder-)verwendet.

Lebensräume

Die Integration von Maßnahmen wie beispielsweise Blühstreifen, Nist- und Bruthilfen, vielfältigen Stauden, Hecken erhöhen den Anteil an nutzbaren Nahrungsquellen und attraktiven Lebens- sowie Ruheräumen. Natürliche, bekannte Lebensräume aus der freien Natur imitierend, werden sie in das städtebauliche Konzept integriert.

Pflanzenvielfalt

Die neu gepflanzten Bäume, Gehölze und Gräser stammen aus unserer Region. Angepasst an die heimischen Standort- und Klimaverhältnisse benötigen sie weniger Pflege, können Trockenperioden aushalten und sind damit für zukünftige Klimaveränderungen gerüstet.